FWG Teisendorf besichtigte das Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht
Die Leiterin des Amts für forstliche Saat- und Pflanzenzucht, Fr. Dr. Konnert begrüßte die Teilnehmer an der Betriebsbesichtigung. Zunächst ging sie auf die Historie des Amts ein. Gegründet wurde das in der heutigen Form bekannte Amt, damals noch unter dem Namen Amt für forstliches Vermehrungsgut sowie das Forstamt Teisendorf, im Jahre 1964 durch den renommierten Professor Schmidt-Vogt. Durch die Salzgewinnung in unserer Region und die Eisenhütte in Achtal war der Fichtenbrennholzbedarf so groß, dass viele Berge wie auch der Teisenberg immer wieder abgeholzt werden mussten. Hinzukam oftmals erheblicher Schneebruch im Winter, der den Bergwald zusätzlich schädigte. Aus diesem Grund begann man mit der Forschung bei der Aufzucht von Wäldern. In der Lebenau in Laufen wurde ein Pflanzgarten angelegt. Hubert Ainerdinger aus Oberteisendorf pflanzte bereits in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts 50-60 Pappeln, als schnell wachsendes Holz, zur Forschung an.
Das Amt begann damals mit 3 Mitarbeitern. Heute umfasst es eine Mitarbeiterzahl von 31 Personen. In Deutschland ist eine solche Landesanstalt nur noch in Bayern vorhanden. Die Forschungsergebnisse aus Teisendorf sind inzwischen weltweit gefragt. So reist Fr. Dr. Konnert bisweilen auch in die USA, um die neuesten Erkenntnisse mitzuteilen.
Das Amtsgebäude ist eines der ältesten in Bayern. Es wurde im Jahr 1460 erbaut und steht unter Denkmalschutz. Die Außenfassade entspricht noch im Wesentlichen dem damaligen Erscheinungsbild. Zuerst war eine Brauerei darin untergebracht. Danach diente es als Pfleggericht des Bischofs von Salzburg. Im Jahr 1802 erhielt es seine jetzige Bestimmung und wurde zum königlich bayerischen Forstamt umfunktioniert. Bei der Führung durch das Amtsgebäude wurde der denkmalgerechte Umgang bei Um- und Renovierungsarbeiten im Inneren des Gebäudes ersichtlich.
Der heutige Aufgabenbereich des Amts gliedert sich in mehrere Bereiche. Es beherbergt Laborbereiche für Saatgutprüfungen. Diese umfassen 2 genetische Labore, die die Erbsubstanz der Bäume sichtbar machen. Genforschung wird in Teisendorf nicht betrieben. Außerdem erfolgt die Sortenprüfung für Energiewälder. Beispielsweise werden schnell wachsende Pappeln gepflanzt und danach überprüft welche Sorten am schnellsten wachsen und welche Leistung sie erbringen. In Laufen befindet sich ein Versuchsgarten. Es werden Samengärten bzw. -plantagen, u. a. auch für Bergwälder betrieben, um eine problemlose Ernte der Samen möglich zu machen. Außerdem wird die Qualität der Samen geprüft.
Eine Genbank u. a. für selten gewordene Baumarten, in der die Samen bei -20 ° C eingelagert sind, sorgt dafür, dass diese der Nachwelt erhalten bleiben.
Für die Forschungsergebnisse bei der Kontrolle der Erntebestände hat das Amt in Teisendorf den bayerischen Onlinepreis 2008 erhalten.
Ein weiteres Tätigkeitsfeld umfasst Forschungen mit Buchen aus anderen Ländern wie beispielsweise Italien oder Bulgarien. Wechselweise werden dort Buchen aus unserer Region gepflanzt und wiederum bei uns Buchen die aus diesen Regionen stammen. Dabei soll erforscht werden welche Bäume in wärmeren Regionen besser wachsen und somit mit dem Klimawandel besser zu recht kommen. Derzeit ist erkennbar, dass sich zwar nur etwa 70 % der Buchen aus Bayern in Bulgarien durchsetzen, diese jedoch in dem um etwa 2,5 °C wärmeren und trockeneren Land besser wachsen als die dort einheimischen Buchen. Dieses Experiment wird noch einige Jahre andauern.
Wie Fr. Dr. Konnert weiter ausführte empfängt das Amt in Teisendorf oft bis zu 50 Gäste pro Jahr aus aller Welt. Diese informieren sich über die Arbeitstechniken, -methoden und Ergebnisse die im Amt in Teisendorf angewandt bzw. erzielt werden. In der Gemeinde Teisendorf wurde bei Ufering erst kürzlich ein sog. Energiewald gerodet. Dies wird im Laufe der Zeit bis zu fünf mal wiederholt. Bei allen Energiewäldern wird der Ertrag gewogen, um den Zuwachs festzustellen. Wie Fr. Dr. Konnert weiter ausführte umfasst ein großer Teil der Leistungen Beratungstätigkeiten. Dabei geht es oft um Fördermöglichkeiten bei den Pflanzungen.
In einem Ausblick auf die Zukunft unserer Wälder teilte Fr. Dr. Konnert mit, dass sich die Buche durchsetzen kann, die Fichte vor allem mit Schädlingen Probleme hat und die Tanne relativ empfindlich ist. Generell ist erkennbar, dass viele Bäume Probleme mit immer schneller aufkommenden Schädlingen, wie beispielsweise Pilzen, bekommen.
Zum Schluss der Führung durch das Amt bedankten sich Bürgermeister Franz Schießl und FWG-Vorsitzender Klaus Willberger bei Fr. Dr. Konnert für die interessante und ausführliche Betriebsbesichtigung.

FWG Teisendorf bei der Besichtigung des Amtes für forstliche Saat- und Pflanzenzucht
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